Deep Sky Photoproject
Eine der grössten Herausforderungen für meine Beobachtungen ist die massive Lichtverschmutzung durch das gegenüberliegende Gewerbegebäude.
Dort brennt die Beleuchtung ununterbrochen – Tag und Nacht, an Werktagen, Wochenenden und Feiertagen. Insbesondere die Bürolichter bleiben rund um die Uhr eingeschaltet, als gäbe es weder Energiekosten noch Umweltverantwortung.
Für die Anwohnenden und für Menschen, die sich ernsthaft mit Natur-, Umwelt beschäftigen, ist dieses Verhalten schwer nachvollziehbar. In Zeiten, in denen Bevölkerung und Haushalte ständig zum Stromsparen aufgerufen werden, wirkt ein derart verschwenderischer Umgang mit Energie geradezu zynisch.


Lichtverschmutzung ist kein belangloses Ärgernis. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität von Anwohnenden, stört Tiere und Insekten, erschwert astronomische Beobachtungen und verursacht einen unnötigen Energieverbrauch.
Ich frage mich, ob den Verantwortlichen ihre Sorgfaltspflicht gegenüber Umwelt und Anwohnenden bewusst ist. In einem Wohnquartier wirkt ein solches Verhalten schwer nachvollziehbar. Stromsparen und der sorgfältige Umgang mit Ressourcen scheinen für manche Unternehmen keine Priorität zu haben.
Astrofotografie aus der Stadt
Wie bereits erwähnt, fotografiere ich aus der Stadt heraus – eine Umgebung, die für die Astrofotografie eigentlich alles andere als ideal ist. Wissenschaftliche Observatorien werden bewusst fernab von Lichtquellen errichtet, um selbst die schwächsten Photonen detektieren zu können. Leider befindet sich meine Sternwarte nicht in der Atacama-Wüste in Chile, wo die Voraussetzungen für astronomische Beobachtungen nahezu perfekt sind.
Astronomie
Doch wir Hobbyastronomen richten an jedem wolkenfreien Abend unsere Instrumente in den Himmel. Millionen von Teleskopen spähen Nacht für Nacht durch die Atmosphäre hinaus ins Universum. Auch Galileo Galilei staunte nicht schlecht, als er als erster Mensch die vier grossen Monde des Jupiter beobachten konnte. Bis heute leisten Amateur-astronomen einen bedeutenden Beitrag zur Astronomie

Galaxie | NGC-891

Planetarischer Nebel | NGC-6853

Komet | C/2022 E3 ZTF
Technik & Wissen
Mit immer leistungsfähigerer Technik entwickelt sich auch die Astrofotografie stetig weiter. Dadurch lassen sich selbst feinste Details der Himmelsdurchmusterungen sichtbar machen. Erst mit dem Einzug der Digitalisierung in die Astrofotografie wurden jedes Jahr zahlreiche neue Objekte entdeckt – zeitweise bis zu 60 pro Jahr.
Erwähnenswert ist auch, dass sich in den 1990er-Jahren viele astronomische Theorien bestätigen liessen. Für mich persönlich war es erstaunlich zu erkennen, wie wenig wir eigentlich über unser eigenes Sonnensystem wussten. Die gewaltigen Dimensionen unseres kosmischen Umfeldes lassen erahnen, wie gross unser Sonnensystem tatsächlich ist. Bis heute (2026) wissen wir noch immer nicht mit letzter Sicherheit, wo der gravitative Einfluss unserer Sonne endgültig endet.
Um dies zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Arbeiten der Astronomen Kenneth Edgeworth (1940er-Jahre) und Gerard Kuiper (1950er-Jahre). Beide stellten die Theorie auf, dass sich jenseits der Neptunbahn Überreste aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems befinden müssten. Diese Vermutung wurde erst in den 1990er-Jahren bestätigt, als lichtschwache Objekte im heutigen Kuipergürtel entdeckt wurden. Eines der ersten trug die Bezeichnung KB1.
Die Triebkraft
Die Triebkraft der Astronomie ist der Blick in die Vergangenheit. Ihre Faszination liegt in der Erkenntnis, dass wir das Privileg besitzen, diesen einzigartigen Planeten mit all unseren Sinnen erleben zu dürfen.
Dazu stelle ich gerne eine Frage: Was liebst du am meisten an der Erde?
Wie auch immer die Antwort ausfällt – alles beginnt mit dem Sein oder Nichtsein. Und genau dort lehne ich mich zurück, nehme den Raum um mich herum wahr und bewundere mit Ehrfurcht, was uns gegeben wurde.

Kugelsternhaufen | NGC-6205
Die letzte grosse Asteroidenkollision in der Erdgeschichte veränderte unseren Planeten grundlegend und läutete eine neue Ära ein.

Supernova Überreste | NGC-1952
Meine Deep-Sky-Aufnahmen sind Blicke in die Vergangenheit. Die Photonen, die ich sammle, haben Milliarden von Kilometern durch das Universum zurückgelegt. Ich halte sie fest und mache sie sichtbar – als astronomische Bilder, die Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählen.

Via Lactea | Sagittarius-Carina-Arm
Einblick in den Kosmos

Diffuser Nebel | NGC-1976

Saturn | Bedeckung

Thors Helm | NGC-2359
Heute befindet sich die Raumsonde New Horizons im Kuipergürtel. Sie wurde 2006 von der Erde gestartet und erforscht seit ihrem Vorbeiflug an Pluto weitere transneptunische Objekte.
Besonders faszinieren mich die unzähligen Planetesimale, die im Kuipergürtel verteilt sind. Diese flache Scheibe enthält die ursprünglichen Bausteine der Planetenentstehung. Zu den dortigen Objekten gehören die Kuiper Belt Objects (KBOs) sowie die Scattered Disk Objects (SDOs). Ein bekanntes Beispiel ist der Zwergplanet Eris, dessen stark exzentrische Umlaufbahn darauf hindeutet, dass er in der Frühzeit des Sonnensystems erheblichen gravitativen Störungen ausgesetzt war und dadurch aus seiner ursprünglichen Bahn verdrängt wurde.

Von G-Stern zur Oortsche Wolke | by joim
Alle Objekte jenseits des achten Planeten Neptun werden als Transneptunische Objekte (TNOs) bezeichnet. Hinter diesem Bereich – etwa zwischen 2’000 und 5’000 Astronomischen Einheiten (1 AE = rund 150 Millionen Kilometer) – vermutet man die Oortsche Wolke. Sie erstreckt sich möglicherweise bis zu etwa 1,6 Lichtjahre weit und besteht aus Milliarden kleiner Eis-, Staub- und Gesteinskörper, die noch immer gravitativ an unsere Sonne gebunden sind.
Noch weiter entfernt befindet sich unser nächster Nachbarstern Proxima Centauri [α Cen C] in einer Distanz von rund 4,2 Lichtjahren. Diese Entfernung gilt jedoch nur für die heutige Zeit. In etwa 11’000 Jahren wird sich der sogenannte Pfeilstern unserer Sonne bis auf ungefähr 3,5 Lichtjahre nähern.

Von G-Stern zur Stosswelle | by joim
Solche Entfernungen bleiben für uns auch heute unerreichbar. Dies zeigt eindrücklich das Beispiel der Voyager-Missionen. Seit ihrem Start im Jahr 1977 fliegen die Raumsonden mit rund 15,4 km/s beziehungsweise etwa 54’000 km/h durch den interstellaren Raum. Trotz ihrer mittlerweile fast 50-jährigen Reise haben sie erst eine Distanz von rund 170 Astronomischen Einheiten zurückgelegt. Langsam geht ihre Energie zur Neige, und schon bald werden sie keine wissenschaftlichen Daten mehr zur Erde senden können. Danach setzen sie ihre lautlose Reise durch den unendlichen Raum fort.
Erkenntnisse
Die heutige Teleskoptechnik ermöglicht es auch Amateurastronomen, faszinierende Deep-Sky-Objekte sichtbar zu machen. Mit dieser Leidenschaft entstand für mich eine völlig neue Sichtweise auf Raum und Zeit.
Als ich mit der Astrofotografie begann, waren mir Astronomie und die klassische Physik zwar ein Begriff. Doch die Welt der Elementarteilchen, der Quantenphysik und das tiefere Verständnis unseres Sonnensystems musste ich mir Schritt für Schritt selbst aneignen. Dadurch entwickelte sich mein Interesse immer weiter – vom Photon über die Bosonen als Kraftvermittler bis hin zu den Fermionen als Bausteine der Materie.

Galaxie | NGC-1365
Photonen
Photonen – die Lichtteilchen – altern nicht. Sie sind wertvolle Zeitzeugen aus der Vergangenheit. Auf ihrer Reise durch das expandierende Universum verliert das Licht zwar durch die kosmologische Rotverschiebung an Energie, oder es wird bei Wechselwirkungen mit Materie gestreut, dennoch erreicht uns ein Teil dieser Photonen nach Milliarden von Jahren.

Rosetten Nebel| NGC-2237
Die gewaltigen Strukturen des Universums – Galaxien mit Milliarden von Sternen – können wir Astrofotografen von der Erde aus sichtbar machen. Dabei betrachten wir jedoch stets die Vergangenheit, denn das Licht zeigt uns den Zustand des Objekts zu dem Zeitpunkt, als die Photonen ihre Reise begannen.

Momdsichel Nebel| NGC-6888
Photonen bewegen sich mit rund 300’000 km/s beziehungsweise etwa 1,08 Milliarden km/h in alle Richtungen des Universums und sind teilweise Milliarden von Jahren unterwegs. Die Photonen, die von meinem Standort auf dem 47. Breitengrad während bestimmter Jahreszeiten sichtbar werden, kann ich mit langen Belichtungszeiten sammeln und in einem aufwendigen Bildbearbeitungsprozess sichtbar machen.
Leider ist meine private Sternwarte kein idealer Standort für die Fotografie lichtschwacher Galaxien. Solche Aufnahmen gelingen wesentlich besser an Orten ohne künstliche Lichtverschmutzung. Streulicht überlagert die feinen Signale der Objekte und lässt wertvolle Details verschwinden. So sehr ich mich auch bemühe – ich verliere dadurch einen erheblichen Teil der Informationen, die an einem wirklich dunklen Beobachtungsort sichtbar wären.
Projekt T CrB Blaze Star
Eigentlich hätte ich die erwartete Nova T Coronae Borealis photometrisch vermessen wollen. Doch die örtlichen Gegebenheiten machen dieses Projekt nahezu unmöglich.
Nur wenige Meter von meiner Sternwarte entfernt befindet sich ein Gewerbegebäude, dessen Bürobeleuchtung rund um die Uhr eingeschaltet bleibt – selbst an Wochenenden und Feiertagen. Dieses starke Streulicht fällt direkt in den Strahlengang meines Teleskops und macht sich deutlich auf den Aufnahmen bemerkbar.

Unter diesen Bedingungen lassen sich keine wissenschaftlich brauchbaren Messungen von T CrB durchführen. Sollte der Stern tatsächlich zur Nova werden und seine Helligkeit um mehrere Magnituden zunehmen, würden die störenden Lichtquellen die Messungen erheblich beeinträchtigen. Deshalb musste ich dieses Projekt schweren Herzens aufgeben.
Auch für zukünftige Projekte sieht die Situation leider nicht besser aus. Das Quartier wird zunehmend verdichtet, neue Gebäude entstehen, und die Lichtemission nimmt von Jahr zu Jahr zu. Gleichzeitig wird mein freier Blick auf die verschiedenen Himmelsrichtungen immer stärker eingeschränkt. Viele Objekte verschwinden bereits nach kurzer Zeit hinter Hausfassaden. Lediglich der Bereich nahe dem Zenit bleibt noch weitgehend frei.
Für hochwertige Astrofotografie benötigt man jedoch einen möglichst grossen Himmelsausschnitt und lange ungestörte Belichtungszeiten, um genügend Photonen sammeln zu können. Aus der Perspektive meiner heutigen Sternwarte sind solche Langzeitaufnahmen kaum noch möglich. Eine Ära geht damit für mich langsam zu Ende.
Passion
Die Astrofotografie ist ein faszinierendes Gebiet mit unzähligen Facetten. Nicht nur die Physik versetzt einen immer wieder ins Staunen, sondern auch die Erkenntnis, dass heutige Amateurastronomen mit moderner Technik tiefe Einblicke in den Kosmos gewinnen können.
Das Wissen über unser Sonnensystem und gleichzeitig der Blick Milliarden Jahre in die Vergangenheit sind ein aussergewöhnliches Privileg. Diese Faszination entwickelt sich jedoch nur durch Leidenschaft. Sie motiviert dazu, das eigene Wissen stetig zu erweitern und den Kosmos immer besser zu verstehen.

Galaxie | NGC-3031

Galaxie | NGC-3034

Galaxie | NGC-4565
Das Körnchen in meinen Bildern
Die meisten meiner Aufnahmen enthalten vergleichsweise wenige aufgezeichnete Photonen, da die Gesamtbelichtungszeit pro Objekt oft nur wenige Stunden beträgt. Dadurch werden vor allem die groben Strukturen sichtbar, während feine Details im Rauschen verborgen bleiben. Die Lichtverschmutzung der Stadt verschärft dieses Problem zusätzlich.
Für ein hochwertiges astronomisches Masterbild sollte der Aufnahmeort möglichst frei von Streulicht und weit entfernt von künstlichen Lichtquellen sein. Nur unter solchen Bedingungen lassen sich auch die schwächsten Lichtsignale erfassen. Diese Voraussetzungen habe ich in der Stadt leider nicht.
Deshalb müssen viele meiner Bilder in der Nachbearbeitung stark gestreckt werden, um das Nutzsignal vom Hintergrund und den Störsignalen zu trennen. Dadurch werden zwar verborgene Strukturen sichtbar, gleichzeitig werden jedoch auch Bildrauschen und andere Artefakte verstärkt.


Galaxie | NGC-5055
Deep Sky Photoproject
Zwischen Himmel und Erde
by joim

Via Lactea | Sagittarius-Carina-Arm

Emissionsnebel | NGC-2359

SN: Supernova Überreste | NGC-6069

Galaxie | NGC-4631

Galaxie | NGC-3031
Sterneninseln aus längst vergangenen Zeiten.

Galaxie | NGC-2903
Verzeichnis von Himmelsobjekten innerhalb und ausserhalb unseres Sonnensystems.
Deep Sky Photoproject
Eine der grössten Herausforderungen für meine Beobachtungen ist die massive Lichtverschmutzung durch das gegenüberliegende Gewerbegebäude.
Dort brennt die Beleuchtung ununterbrochen – Tag und Nacht, an Werktagen, Wochenenden und Feiertagen. Insbesondere die Bürolichter bleiben rund um die Uhr eingeschaltet, als gäbe es weder Energiekosten noch Umweltverantwortung.
Für die Anwohnenden und für Menschen, die sich ernsthaft mit Natur-, Umwelt beschäftigen, ist dieses Verhalten schwer nachvollziehbar. In Zeiten, in denen Bevölkerung und Haushalte ständig zum Stromsparen aufgerufen werden, wirkt ein derart verschwenderischer Umgang mit Energie geradezu zynisch.

Lichtverschmutzung ist kein belangloses Ärgernis. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität von Anwohnenden, stört Tiere und Insekten, erschwert astronomische Beobachtungen und verursacht einen unnötigen Energieverbrauch.

Ich frage mich, ob den Verantwortlichen ihre Sorgfaltspflicht gegenüber Umwelt und Anwohnenden bewusst ist. In einem Wohnquartier wirkt ein solches Verhalten schwer nachvollziehbar. Stromsparen und der sorgfältige Umgang mit Ressourcen scheinen für manche Unternehmen keine Priorität zu haben.
Astrofotografie aus der Stadt
Wie bereits erwähnt, fotografiere ich aus der Stadt heraus – eine Umgebung, die für die Astrofotografie eigentlich alles andere als ideal ist. Wissenschaftliche Observatorien werden bewusst fernab von Lichtquellen errichtet, um selbst die schwächsten Photonen detektieren zu können. Leider befindet sich meine Sternwarte nicht in der Atacama-Wüste in Chile, wo die Voraussetzungen für astronomische Beobachtungen nahezu perfekt sind.
Astronomie
Doch wir Hobbyastronomen richten an jedem wolkenfreien Abend unsere Instrumente in den Himmel. Millionen von Teleskopen spähen Nacht für Nacht durch die Atmosphäre hinaus ins Universum. Auch Galileo Galilei staunte nicht schlecht, als er als erster Mensch die vier grossen Monde des Jupiter beobachten konnte. Bis heute leisten Amateur-astronomen einen bedeutenden Beitrag zur Astronomie

Galaxie | NGC-1365

Galaxie | NGC-891
Technik & Wissen
Mit immer leistungsfähigerer Technik entwickelt sich auch die Astrofotografie stetig weiter. Dadurch lassen sich selbst feinste Details der Himmelsdurchmusterungen sichtbar machen. Erst mit dem Einzug der Digitalisierung in die Astrofotografie wurden jedes Jahr zahlreiche neue Objekte entdeckt – zeitweise bis zu 60 pro Jahr.

Diffuser Nebel | NGC-1976

Planetarischer Nebel | NGC-6853
Erwähnenswert ist auch, dass sich in den 1990er-Jahren viele astronomische Theorien bestätigen liessen. Für mich persönlich war es erstaunlich zu erkennen, wie wenig wir eigentlich über unser eigenes Sonnensystem wussten. Die gewaltigen Dimensionen unseres kosmischen Umfeldes lassen erahnen, wie gross unser Sonnensystem tatsächlich ist. Bis heute (2026) wissen wir noch immer nicht mit letzter Sicherheit, wo der gravitative Einfluss unserer Sonne endgültig endet.

Komet | C/2022 E3 ZTF

Saturn | Bedeckung
Um dies zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Arbeiten der Astronomen Kenneth Edgeworth (1940er-Jahre) und Gerard Kuiper (1950er-Jahre). Beide stellten die Theorie auf, dass sich jenseits der Neptunbahn Überreste aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems befinden müssten. Diese Vermutung wurde erst in den 1990er-Jahren bestätigt, als lichtschwache Objekte im heutigen Kuipergürtel entdeckt wurden. Eines der ersten trug die Bezeichnung KB1.
Die Triebkraft
Die Triebkraft der Astronomie ist der Blick in die Vergangenheit. Ihre Faszination liegt in der Erkenntnis, dass wir das Privileg besitzen, diesen einzigartigen Planeten mit all unseren Sinnen erleben zu dürfen.

Supernova Überreste | NGC-1952
Dazu stelle ich gerne eine Frage: Was liebst du am meisten an der Erde?
Wie auch immer die Antwort ausfällt – alles beginnt mit dem Sein oder Nichtsein. Und genau dort lehne ich mich zurück, nehme den Raum um mich herum wahr und bewundere mit Ehrfurcht, was uns gegeben wurde.

Kugelsternhaufen | NGC-6205
Meine Deep-Sky-Aufnahmen sind Blicke in die Vergangenheit. Die Photonen, die ich sammle, haben Milliarden von Kilometern durch das Universum zurückgelegt. Ich halte sie fest und mache sie sichtbar – als astronomische Bilder, die Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählen.

Via Lactea | Sagittarius-Carina-Arm
Die letzte grosse Asteroidenkollision in der Erdgeschichte veränderte unseren Planeten grundlegend und läutete eine neue Ära ein.
Einblick in den Kosmos
Heute befindet sich die Raumsonde New Horizons im Kuipergürtel. Sie wurde 2006 von der Erde gestartet und erforscht seit ihrem Vorbeiflug an Pluto weitere transneptunische Objekte.
Besonders faszinieren mich die unzähligen Planetesimale, die im Kuipergürtel verteilt sind. Diese flache Scheibe enthält die ursprünglichen Bausteine der Planetenentstehung. Zu den dortigen Objekten gehören die Kuiper Belt Objects (KBOs) sowie die Scattered Disk Objects (SDOs). Ein bekanntes Beispiel ist der Zwergplanet Eris, dessen stark exzentrische Umlaufbahn darauf hindeutet, dass er in der Frühzeit des Sonnensystems erheblichen gravitativen Störungen ausgesetzt war und dadurch aus seiner ursprünglichen Bahn verdrängt wurde.

Von G-Stern zur Oortsche Wolke
Alle Objekte jenseits des achten Planeten Neptun werden als Transneptunische Objekte (TNOs) bezeichnet. Hinter diesem Bereich – etwa zwischen 2’000 und 5’000 Astronomischen Einheiten (1 AE = rund 150 Millionen Kilometer) – vermutet man die Oortsche Wolke. Sie erstreckt sich möglicherweise bis zu etwa 1,6 Lichtjahre weit und besteht aus Milliarden kleiner Eis-, Staub- und Gesteinskörper, die noch immer gravitativ an unsere Sonne gebunden sind.
Noch weiter entfernt befindet sich unser nächster Nachbarstern Proxima Centauri [α Cen C] in einer Distanz von rund 4,2 Lichtjahren. Diese Entfernung gilt jedoch nur für die heutige Zeit. In etwa 11’000 Jahren wird sich der sogenannte Pfeilstern unserer Sonne bis auf ungefähr 3,5 Lichtjahre nähern.

Von G-Stern zur Stosswelle
Solche Entfernungen bleiben für uns auch heute unerreichbar. Dies zeigt eindrücklich das Beispiel der Voyager-Missionen. Seit ihrem Start im Jahr 1977 fliegen die Raumsonden mit rund 15,4 km/s beziehungsweise etwa 54’000 km/h durch den interstellaren Raum. Trotz ihrer mittlerweile fast 50-jährigen Reise haben sie erst eine Distanz von rund 170 Astronomischen Einheiten zurückgelegt. Langsam geht ihre Energie zur Neige, und schon bald werden sie keine wissenschaftlichen Daten mehr zur Erde senden können. Danach setzen sie ihre lautlose Reise durch den unendlichen Raum fort.
Erkenntnisse
Die heutige Teleskoptechnik ermöglicht es auch Amateurastronomen, faszinierende Deep-Sky-Objekte sichtbar zu machen. Mit dieser Leidenschaft entstand für mich eine völlig neue Sichtweise auf Raum und Zeit.
Als ich mit der Astrofotografie begann, waren mir Astronomie und die klassische Physik zwar ein Begriff. Doch die Welt der Elementarteilchen, der Quantenphysik und das tiefere Verständnis unseres Sonnensystems musste ich mir Schritt für Schritt selbst aneignen. Dadurch entwickelte sich mein Interesse immer weiter – vom Photon über die Bosonen als Kraftvermittler bis hin zu den Fermionen als Bausteine der Materie.
Photonen
Photonen – die Lichtteilchen – altern nicht. Sie sind wertvolle Zeitzeugen aus der Vergangenheit. Auf ihrer Reise durch das expandierende Universum verliert das Licht zwar durch die kosmologische Rotverschiebung an Energie, oder es wird bei Wechselwirkungen mit Materie gestreut, dennoch erreicht uns ein Teil dieser Photonen nach Milliarden von Jahren.
Die gewaltigen Strukturen des Universums – Galaxien mit Milliarden von Sternen – können wir Astrofotografen von der Erde aus sichtbar machen. Dabei betrachten wir jedoch stets die Vergangenheit, denn das Licht zeigt uns den Zustand des Objekts zu dem Zeitpunkt, als die Photonen ihre Reise begannen.
Photonen bewegen sich mit rund 300’000 km/s beziehungsweise etwa 1,08 Milliarden km/h in alle Richtungen des Universums und sind teilweise Milliarden von Jahren unterwegs. Die Photonen, die von meinem Standort auf dem 47. Breitengrad während bestimmter Jahreszeiten sichtbar werden, kann ich mit langen Belichtungszeiten sammeln und in einem aufwendigen Bildbearbeitungsprozess sichtbar machen.
Leider ist meine private Sternwarte kein idealer Standort für die Fotografie lichtschwacher Galaxien. Solche Aufnahmen gelingen wesentlich besser an Orten ohne künstliche Lichtverschmutzung. Streulicht überlagert die feinen Signale der Objekte und lässt wertvolle Details verschwinden. So sehr ich mich auch bemühe – ich verliere dadurch einen erheblichen Teil der Informationen, die an einem wirklich dunklen Beobachtungsort sichtbar wären.
Projekt T CrB Blaze Star
Eigentlich hätte ich die erwartete Nova T Coronae Borealis photometrisch vermessen wollen. Doch die örtlichen Gegebenheiten machen dieses Projekt nahezu unmöglich.

Nur wenige Meter von meiner Sternwarte entfernt befindet sich ein Gewerbegebäude, dessen Bürobeleuchtung rund um die Uhr eingeschaltet bleibt – selbst an Wochenenden und Feiertagen. Dieses starke Streulicht fällt direkt in den Strahlengang meines Teleskops und macht sich deutlich auf den Aufnahmen bemerkbar.
Unter diesen Bedingungen lassen sich keine wissenschaftlich brauchbaren Messungen von T CrB durchführen. Sollte der Stern tatsächlich zur Nova werden und seine Helligkeit um mehrere Magnituden zunehmen, würden die störenden Lichtquellen die Messungen erheblich beeinträchtigen. Deshalb musste ich dieses Projekt schweren Herzens aufgeben.
Auch für zukünftige Projekte sieht die Situation leider nicht besser aus. Das Quartier wird zunehmend verdichtet, neue Gebäude entstehen, und die Lichtemission nimmt von Jahr zu Jahr zu. Gleichzeitig wird mein freier Blick auf die verschiedenen Himmelsrichtungen immer stärker eingeschränkt. Viele Objekte verschwinden bereits nach kurzer Zeit hinter Hausfassaden. Lediglich der Bereich nahe dem Zenit bleibt noch weitgehend frei.
Für hochwertige Astrofotografie benötigt man jedoch einen möglichst grossen Himmelsausschnitt und lange ungestörte Belichtungszeiten, um genügend Photonen sammeln zu können. Aus der Perspektive meiner heutigen Sternwarte sind solche Langzeitaufnahmen kaum noch möglich. Eine Ära geht damit für mich langsam zu Ende.
Das Körnchen in meinen Bildern
Die meisten meiner Aufnahmen enthalten vergleichsweise wenige aufgezeichnete Photonen, da die Gesamtbelichtungszeit pro Objekt oft nur wenige Stunden beträgt. Dadurch werden vor allem die groben Strukturen sichtbar, während feine Details im Rauschen verborgen bleiben. Die Lichtverschmutzung der Stadt verschärft dieses Problem zusätzlich.
Für ein hochwertiges astronomisches Masterbild sollte der Aufnahmeort möglichst frei von Streulicht und weit entfernt von künstlichen Lichtquellen sein. Nur unter solchen Bedingungen lassen sich auch die schwächsten Lichtsignale erfassen. Diese Voraussetzungen habe ich in der Stadt leider nicht.
Deshalb müssen viele meiner Bilder in der Nachbearbeitung stark gestreckt werden, um das Nutzsignal vom Hintergrund und den Störsignalen zu trennen. Dadurch werden zwar verborgene Strukturen sichtbar, gleichzeitig werden jedoch auch Bildrauschen und andere Artefakte verstärkt.


Galaxie | NGC-5055
Astrofotografie
Die Astrofotografie ist ein faszinierendes Gebiet mit unzähligen Facetten. Nicht nur die Physik versetzt einen immer wieder ins Staunen, sondern auch die Erkenntnis, dass heutige Amateurastronomen mit moderner Technik tiefe Einblicke in den Kosmos gewinnen können.
Das Wissen über unser Sonnensystem und gleichzeitig der Blick Milliarden Jahre in die Vergangenheit sind ein aussergewöhnliches Privileg. Diese Faszination entwickelt sich jedoch nur durch Leidenschaft. Sie motiviert dazu, das eigene Wissen stetig zu erweitern und den Kosmos immer besser zu verstehen.
Deep Sky Photoproject
Zwischen Himmel und Erde
by joim

Via Lactea | Sagittarius-Carina-Arm

Emissionsnebel | NGC-2359

SN: Supernova Überreste | NGC-6069

Galaxie | NGC-4631

Galaxie | NGC-3031
Sterneninseln aus längst vergangenen Zeiten.

Galaxie | NGC-4565
Verzeichnis von Himmelsobjekten innerhalb und ausserhalb unseres Sonnensystems.

